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Thema "net.art"
 
Net.Art v1.0
Stellen wir uns ein Gesamtkunstwerk im Internet vor. Ein definitiv "heisses Medium". Aber bevor wir die Begrifflichkeit, Bedeutung und Struktur der Netzkunst, bzw. den Begriff Netzkunst-Werk zu definieren versuchen, denken wir zuerst an den universalen (Netz)Kuenstler. Dieses Modell ist anwendbar, weil die ersten (WWW)Netzkunstkünstler kaum 6 Jahre Arbeitserfahrung mit diesem Medium haben. Heute - statistisch gesehen - sind 6 Jahre eine Zeit, die genügt, damit eine neue Generation auf die Welt kommt und reift. Die gute Nachricht ist, nach dem alles schneller wird, dass man bald dafuer 1 bis 2 Jahre brauchen wird, so wird es in der Zukunft kein Generationsproblem oder Konflikt mehr geben.
Also wenn man die Foucaultsche Frage erweitert, muss man zuerst fragen: Was ist ein Netzkunst Autor? Was muss er können? Weil der kreative Prozess von den Beschränkungen der Materie befreit ist, hängt er jedoch stark vom Arbeitsmedium ab. Ein allumfassendes technisches Wissen ist unumgänglich. Allein HTML, ein wenig Java Script, CGI zu programmieren, QTmovies zu streamen und/oder sich mit der Timeline im Flash zu spielen reicht nicht aus. Eine richtige Programmier-Kunst und daraus folgende Ästhetik, ist gefragt. Denn die Arbeitssymbiose zwischen konzeptionellen Künstlern, die keine routinierten Techniker sind und Technikern als schlussendlich den Schaffenden, hat sich als problematisch herausgestellt.
Aber, genau so wie nicht jeder Grafiker ein Künstler ist, ist auch nicht jeder Webmaster oder Webdesigner ein Netzkünstler. Die besten HighTech und state-of-the art Werke sind uninteressant, wenn eine inhaltliche Ödnis herrscht. Der technische Aufwand wird nicht gerechtfertigt, wenn die Arbeiten fad, unbeholfen und bescheuert aussehen und keinen ästhetischen Wert haben. Ein theoretisch programmatisches Verständnis fuer Netzräume ist notwendig, und somit stellt die Techno-Ästhetik in ihrer Schärfe die höchsten Ansprüche.
Nachdem das geklärt ist, werden die konkreten Werke diskutiert, um eine verallgemeinernde Diskussion zu umgehen. Angefangen mit elementaren Fragen der Oberfläche, Manipulation von Browsern als Organ der Wahrnehmung wie wir das Web sehen, und ASCII Aktivisten, Hackerkunst, bis hin zu komplizierten Prozessen der Bildererzeugung, dynamischen Inhalten und VR-Technolgie, die ein ganz neues Verständnis von Kunst, von Szene, von Illusion, von Dramatik erfordern.
Es soll versucht werden, die Effekte, die das Publikum heute im Film, Photographie, Malerei und anderen Medien ansprechen sollen, kurzfristig zu ignorieren. Es ist eine zweite Phase eingetreten. Mit der Verabschiedung von den bisherigen kunst-historischen Diskussionsformen, mit der abgeschlossenen Mediengeschichte und die Lernphase des Publizierens im Netz ("wie mache ich eine Homepage, wie stelle ich meine Bilder ins Netz oder bloss ein wenig umschauen") ist vorbei.

Und last but not least die Frage: Kann man von der Netzkunst leben und wie? Reichen die jetzigen Instrumente der diskursiven Foren (wie zum Beispiel mailing listen) aus, oder sollte man "Die Geburt der Netzgalerie" befürworten, welches jenes System der Macht beschreibt, das über Kunst und Nicht-Kunst entscheidet. Durchleuchten der Notwendigkeit einen produktiven und distributiven Apparat auszubauen, der das Netzkunstwerk umgeben soll (Sammler, Haendler, Kuratoren, Kritiker, ncc48 Organisatoren, etc.).

Man sollte nicht versuchen zu definieren was Netz.Kunst ist, weil sie zum Unterschied zu anderen Kunstsparten schon in den nächsten Minuten nicht das ist, was sie vor 3 Minuten war, zum Beispiel durch einen Serverausfall, Hackerattacke oder bloss durch rmdir des Users. Ausserdem wird sich diese Frage beim ncc48 hoffentlich von selbst beantworten.
Text: ortlos architects (Ivan Redi)



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